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Projekt "Flurwächterhaus" 1998

nach einer Idee von Claude-Nicolas Ledoux

 
         
     

Von Jürgen Eckhardt und

        Torsten Merz

 
         
         
  Claude-Nicolas Ledoux      
 

Claude-Nicolas Ledoux wurde am 27.März 1736 in Dormans, einem Dorf in der Marne- landschaft, geboren. Seine Eltern, der Kaufmann Claude Ledoux und seine Frau Francoise geborene Dominot, lebten dort in äußerst bescheidene Verhältnisse. Doch Claude-Nicolas hatte Glück: gleich nach Abschluß der dörflichen Pfarrschule erhielt er ein Stipendium der Diözese Soissons, das ihm erlaubte, in Paris zu studieren. Ledoux behält die ersten dreizehn Jahre seines Lebens inmitten eines bodenständigen, recht-schaffenen dörflichen Lebens für immer in Erinnerung. Seine ganze berufliche Lauf-bahn hindurch wird er sich immer wieder mit landschaftlichen Reformen beschäftigen, und am Ende seines Lebens wird die Reform der Gesellschaft des Landlebens sein wichtigstes Thema.

Obwohl sich Ledoux später gegen einen strengen Akademismus wenden wird, so ist es doch sein Aufenthalt am College de Beauvais, von 1749 bis 1753, der ihm Zutritt gewährt zu einer Welt, die er nie wieder verlassen wird: die Welt der antiken und der modernen Klassik und die der neuen, fortschrittlichen Wissenschaften. Trotz erster, viel beachteter Architekturentwürfe, erlernte er den Beruf des Kupferstechers.

Der erste freie Auftrag für Ledoux war das "Cafe Militaire" von 1762.

Für Madame Dubarry, die gerade zur Maitresse Ludwig XV aufgestiegen war, baute Ledoux ein Palais-Boudoir im Park von Louveciennes. Doch dem voyeuristischen Rückblick des späten 19. Jahrhunterts blieb die architektonische Bedeutung dieses Pavillons eher verborgen. Dieser Auftrag führte Ledoux mit einer großen Zahl von Mäzenen zusammen. Nach einer erfolglosen Kandidatur von 1767 wählte man ihn 1773, mit Unterstützung von Madame Dubarry, in die Academie.

  Standbild  
         
       
   
       
         
 

Zeichnungen von N.C.Ledoux

     
 

Maison des Gardes Ägricoles

Perspektive

     
 
     
 
     
 
Elèvation
     
 
     
 
Coupe
     
 
     
 
     
 
Plan des Souterrains/Premier Etage/Combles
     
 
     
         
         
         
 

Die Umsetzung in die heutige Zeit

     
 

Flurwächterhaus

Perspektive

     
 
     
 
     
 
Ansicht
     
 
     
 
     
 
Schnitt
     
 
     
         
 
Grundriss Keller/EG/Dachgeschoss
     
 
     
         
         
       
 
„Die Zukunft aus der Vergangenheit
wird Gegenwart“
   
 

Die Frage wie ein solches Projekt von Ledoux heute aussehen könnte, war Anlaß genug sich mit diesem Thema auseinander zu setzen.

Neue technische Möglichkeiten beim Bauen und neue Materialien sollten die Realisation eines solchen Gebäudes erleichtern.

Auch die Nutzergruppen und die entsprechenden Funktionen verändern sich und passen sich den gegenwärtigen Bedürfnissen an.

Die Kugel als Einfamilienhaus eröffnet unzählige, gestalterische Möglich-keiten.

Bei der Planung des Kugelhauses der Gegenwart wurden die vorgegebenen Dimensionen von Ledoux übernommen; Kugel und die quadratisch ausgehobene Grube entsprechen dem Original.

Als Nutzer werden in diesem speziellen Beispiel eine durchschnittlich begüterte Familie angenommen.

Den Nutzern angepaßt, ist die neue Lage der Kugel. Eingebettet in ein riesiges, parkähnlisches Grundstück paßt sich das Gebäude seiner Umge-bung wunderbar an. An drei Seiten umsäumt eine hohe Mauer das Gelände. Die vierte Seite wird von einem Fluß begrenzt. Boote können hier anlegen und erlauben es dem Besucher das Haus im Kellergeschoß zu betreten oder über einen Aufgang in die erste Etage zu gelangen. Im Kellergewölbe erwartet den Gast eine faszinierendes Ambiente. Die zugewiesene Funktion in dem dargestellten Entwurf besteht in einer Galerie. Alle vier Zugänge sind tunnelförmig ausgebildetund führen direkt ins Zentrum. Hier angelangt, fällt der Blick fast zwangsläufig zu einem Aufzug der in der Mitte des Raums thront. Ein Glaszylinder durchbricht die Kugel bis zum zweiten Stock. Der Durchmesser des kreisförmigen Durchbruchs ist größer als der Durchmesser des Glaszylinders. Erster und sogar teilweise zweiter Stock sind einzusehen und laden den Betrachter zu einem Besuch ein.

Durch die Eigenart der Kugelform entstehen zwischen den Tunneln vier gleichförmige Räume. In diesem Fall ideal für Ausstellungen geeignet. Da der Fußboden dieser Räume höher liegt als der Boden im Zentrum , führt jeweils eine Treppe in einen Raum. Die Räume sind untereinander mit einer Art Gangway verbunden , die über die Tunneleingänge führen.

Die Variationsmöglichkeiten scheinen für diesen Bereich fast unbegrenzt. Verringert man die Anzahl der Eingänge und der Tunnel vergrößert sich das Raumangebot enorm. Da die Deckenlast nur über vier verhältnismäßig dünne Pfeiler abgetragen werden muß, können viele Formen entstehen. Von Garage bis Lagerraum ist alles denkbar.

Der schönste Blick auf die Kugel erschließt sich vom Eingangstor. Durch eine lange "Allee" zeigt sich dem Betrachter ein famoses Spiel von Architektur und Landschaft. Wälder, Wiesen und der Fluß auf der Rückseite des Hauses geben einen Eindruck von Unendlichkeit. Man geht aufs Haus zu und mit jedem Schritt den man näher kommt, gibt es ein Stück seiner beein- druckenden Monumentalität preis.

Durch die Pforte gelangt man ins Haus. Wie bei Ledoux ist diese Pforte nach einem Palladiomotiv entworfen. Wie im Keller spielt der erste optische Eindruck auch hier eine primäre Rolle. Wieder zieht der Aufzug im Zentrum magisch die Blicke auf sich. Links führt eine Wendeltreppe nach oben. Geht man weiter öffnet sich das Gebäude vollends. Durch die kreisförmigen Ausschnitte zwischen den Geschossen hat man sowohl Einblick in Keller als auch Dachgeschoß. Durch einen verglasten Durchbruch im Dach fällt Licht in alle Stockwerke. Ein Geländer umschließt die Bodenöffnungen. Ein Gitterrost führt zur Aufzugstür. Im Erdgeschoss sind Wohnzimmer, Küche und WC angeordnet. Durch die Möglichkeit die Trennwände ohne großen Aufwand zu verschieben, ist eine neue Raumaufteilung in kürzester Zeit machbar.

Im Obergeschoß sind Schlafzimmer, Bäder, WC und Freizeitraum. Wie im ersten Geschoß ist auch hier eine Neuordnung im Sinne der Benutzer möglich.

     
Keller
Kellerausschnitt
 
EG
Erdgeschoss/Ausschnitt
 
OG
Dachgeschoss/Ausschnitt
 
       
       
 
Computer-Animation
   
 
   
       
 

Links:

 

 

  6er  

Diese Computer-Animation entstand
mit der Unterstützung von:

Projektleiter:
Prof.Dr.Ing. Falk Krebs

Referent:
Dipl.-Des. Edgar Brück (FH-Wiesbaden)

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  © Copyright J. Eckhardt 2004